Zur Zukunft des Geldes

In den letzten Wochen und Monaten häufen sich die Berichterstattungen rund um einen digitalen Euro. Teilweise wird diese Berichterstattung auch angeheizt von den Facebook-Plänen mit der eigenen Cryptowährung „Libra“.

Ich glaube fest daran, dass wir in irgendeiner Form eine digitale Währung, einen digitalen Euro bekommen werden. Ich finde, die Möglichkeit, die SEPA mit instant payment bietet, ist bereits der erste  Schritt in diese Richtung – selbst wenn dafür unverändert ein Konto notwendig ist.

Eine digitale Währung benötigt natürlich eine Form von Anker, über die sie sich manifestieren kann. Eine Kopplung mit Hardware, wie zum Beispiel die Girocard, würde ich ausschließen – aus Gründen von Fälschungssicherheit aber auch von technischer Zuverlässigkeit.

Also wird es eine stark softwaregetriebene Form sein, in der dann wahrscheinlich unser Smartphone eine wichtige Rolle spielen wird. Da nicht jeder ein Smartphone hat oder haben wird (oder der Akku ist mal alle…), wird es auch die Möglichkeit geben, weiterhin über physisches Geld zu verfügen. (Eine offizielle Währung, die Teile der Bevölkerung ausschließt kann und mag ich mir nicht vorstellen.) Eine echte Wende wäre erst dann möglich, wenn jeder Mensch (wie ein Hundewelpe) gechippt wird – aber dann müssten sämtliche Zahlungspunkte in Deutschland technisch nachgerüstet werden. (Es hakt für mich an dem Punkt: Wird es eine echte digitale Währung mit allen Merkmalen einer Währung, oder wird es nur eine Form von Buchgeld mit eigenen Übertragungswegen.)

Ob es eine Cryptowährung wird, die die gleiche Art von Anonymität ermöglicht, wie auch Bargeld, vermag ich nicht zu beurteilen. Ich könnte mir jedoch eher vorstellen, dass der Staat ein Interesse daran hat, für die Nutzer der Währung Guthabenkonten in der jeweiligen Zentralbank zu führen und eben diese Anonymität zu vermeiden.

Gegen die Anonymität sprechen auf der einen Seite natürlich die gleichen Argumente, wie sie auch bei der Abschaffung der 500 €-Noten in Position gebracht wurden: Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung. Auf der anderen Seite kann ich bei einem derartigen Zentralbanken-Modell vielleicht leichter flächendeckende Negativzinsen durchsetzen, da das Bargeld als Fluchtmöglichkeit fehlt und ich direkt die Guthabenkonten im Zugriff habe. Gleichermaßen – und da ist die öffentliche Hand immer sehr kreativ – lassen sich auch pauschale Steuermodelle viel leichter um- und durchsetzen (z.B. Besteuerung von bestimmten Buchungsposten).

Davon ab, geht es den Menschen in der Arbeit immer mehr Sinnstiftung und um Selbstverwirklichung. Ein hohes Einkommen ist nicht mehr das primäre Karriereziel. Die Bedeutung des Einkommens Erwerb aus der Arbeit sinkt. Nicht aus einer wirtschaftlichen Perspektive heraus, sondern aus der Lebensperspektive heraus. Dies passt natürlich zu einem veränderten Wirtschaftsmodell, das stärker auf Nachhaltigkeit ausgerichtet ist und nicht mehr ausschließlich von einem Wachstum befeuert werden muss.

Die Zinsen werden dauerhaft niedrig bleiben. Dies ist inzwischen eine politische Notwendigkeit. Solange Europäische Union in der bestehenden Form zusammengehalten werden soll, bleibt der Euro das verbindende und stabilisierende Element. Die gestiegene Staatsverschuldung, die bereits vorher bei den meisten südeuropäischen Staaten dramatische Ausmaße hatte, verhindert einen Zinsanstieg, der kurzfristig Staatspleiten oder weitere Rettungsaktionen zur Folge hätte. Wirtschaftlich sind wir zudem inzwischen einer Situation, dass ein Zinsanstieg zu einer dämpfenden Wirkung auf die Realwirtschaft führen würde – und damit dem Zinsanstieg wieder den Boden unter den Füßen entzöge. Wir haben den aktuellen Rahmenbedingungen also kein Rückenwind, der eine Zinserhöhung nachhaltig anfüttern könnte. Gleichermaßen spricht die stark aufgeblähte Geldmenge im Verhältnis zu den nur moderat gewachsenen Vermögenswerten gegen eine Zinserhöhung. Das einzige Ventil, das eine Zinserhöhung in näherer Zukunft gestatten würde, wäre eine signifikant hohe Inflation, die wiederum nicht gewollt und aktuell nicht in Sichtweite ist.

Eine digitale Währung, egal in welcher Form, wird einen Teil der Giralgeldschöpfung entbehrlich machen. Es gibt weniger Verrechnungskonten auf den tageweise Verrechnungssalden stehen und gleichzeitig werden Forderungen und Verbindlichkeiten schneller ausgeglichen als in der Vergangenheit. Hinzu kommt, dass der Unterschied zwischen Bargeld und Konto durch eine digitale Währung letztlich aufgehoben wird. Ich habe also keine Kontoüberziehung, um Bargeld im Portmonee zu haben.

Die Digitalisierung und die in diesem Zuge entstandenen vielfältigen Apps und neuen Dienstleistungen führen dazu, dass sich in der Bevölkerung stärker das Konzept von Nutzung als von Besitz und Eigentum manifestiert. Das sehen wir bei Musikdienstleistern, wo gestreamt wird, anstelle dass noch Tonträger käuflich erworben werden. Die Beispiele lassen sich beliebig fortsetzen.

Dies spricht also für Miete, Leasing und Sharing.

Wichtiger als Eigentum und Besitz wird also sehr wahrscheinlich ein regelmäßiger Einkommensstrom, der den gewünschten/gewohnten Lebensstil mit den entsprechenden Nutzungsmöglichkeiten gestattet. Damit wird auch tendenziell der Bedarf an Kreditfinanzierungen für Haushalte zurückgehen, weil weniger selbst investiert wird. (z.B. keine Autos mehr)

Dies macht in Summe das Leben spontaner und ein Stück weit auch freier, weil eine Bindung durch bestimmte Besitztümer nicht vorhanden oder nur schwächer ausgeprägt ist.

  • So werden manche Menschen möglicherweise häufiger umziehen, vielleicht sogar anstelle von grpßen Reisen. Home Office und mobiles Arbeiten machen es möglich von überall auf der Welt seiner Aufgabe nachzugehen. Mindestens jedoch wird auf diese Weise ein Leben in ländlichen Regionen wieder attraktiver und so gestärkt. Ein Comeback der strukturschwachen Regionen entlang des Glasfasernetzes…
  • Das Management der laufenden Kosten und Ausgaben wird noch wichtiger als in der Vergangenheit. Hier werden weitere Assistenten/Apps und Dienst- bzw. Beratungsleistungen an Bedeutung gewinnen.
  • Bei der Altersvorsorge wird man womöglich stärker auf monatliche Auszahlungen schauen, als auf eine gesamte Wertentwicklung der Vermögensanlage. Auch eine mögliche Absicherung von erwarteter Teuerung dürfte vermutlich eine zunehmende Anzahl an Personen interessieren. Dividendenwerte sind ein mögliches Stichwort.
  • Letztlich dürfte auch die elektronische Währung weitere Begehrlichkeiten des Staates wecken, da es dem Individuum schwerer fällt sich dem staatlichen Zugriff zu entziehen. Die reine Steuererklärung wird vermutlich nicht viel aufwendiger werden, als ein einfacher Mausklick oder ein Antippen auf einem Smart Screen, aber genauso transparent ist man als Bürger dann auch auf der anderen Seite, wenn es ans Bezahlen geht.

Ich persönlich gehe davon aus, dass der Trend zu einer elektronischen Währung nicht auf Dauer aufzuhalten sein wird. Zu attraktiv sind die Möglichkeiten aus einer staatlichen Perspektive: es entstehen geringere Transaktionskosten und die staatlichen Zugriffsmöglichkeiten sind in jedem Fall besser, als bei einer physischen Währung aus Banknoten und Münzen.

Kritisch ist an dieser Entwicklung natürlich anzumerken, dass der Gewinn an persönlicher Freiheit durch einen Verlust an Autonomie gegenüber dem Staat erkauft wird. Natürlich kann man, wie so oft, auch anmerken, dass dies für jemanden, der nichts zu verbergen hat, kein Problem sein darf. Aber die Summe der Entwicklungsschritte darf einem schon ins Auge stechen.

Veröffentlicht von Thies Lesch, LL.M.

Thies Lesch (Baujahr 1972) studierte, nach Bankausbildung und Weiterbildung zum Handelsfachwirt, Betriebswirtschaft an der Fernuniversität in Hagen und schloss mit den Vertiefungen Bankbetriebslehre und Wirtschaftsinformatik als Diplom-Kaufmann ab. Mit einigen Jahren Abstand folgte in 2016 der Master of Laws in Wirtschaftsrecht an der Hamburger Fernhochschule HFH mit den Vertiefungsschwerpunkten Arbeitsrecht, Mediation und – als Abschlussthema – Kreditrecht. Die Masterarbeit „Negative Zinsen und das Kreditgeschäft: Rechtliche Herausforderungen für Banken in Deutschland“ wurde vom SpringerGabler-Verlag in das BestMasters-Programm aufgenommen und erschien im Januar 2017 als Fachbuch. Die über 25 Jahre Berufserfahrung erstrecken sich in verschiedenen Rollen und (Führungs-)Funktionen weitgehend auf das Firmenkunden(kredit)geschäft und nationale wie internationale Spezial-/Projektfinanzierungen. Thies Lesch ist ein ausgewiesener Experte in Vertriebsmanagement und Vertriebssteuerung mit ausgeprägter strategischer Kompetenz und hohen Change-Management-Skills. Sein Interesse gilt der Systematisierung im Vertrieb, der potenzialorientierten Marktbearbeitung und der Zukunftsfähigkeit des Produktangebotes von Banken und Sparkassen.

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