Zur Zukunft des Geldes (Teil 2)

Dieser Beitrag knüpft inhaltlich an den ersten Artikel (Zur Zukunft des Geldes) vom 09.11.2020 an.

Zwischenzeitlich lesen wir in der Presse nicht nur von privaten Initiativen rund um eine digitale Währung, sondern auch Bankenverbände und vor allem Zentralbanken, wie zum Beispiel die Bundesbank und die Europäische Zentralbank, setzen sich mit dem Themenkomplex auseinander. Wichtig ist, dass man dies lediglich als eine Analyse begreift. Es wird nicht präjudiziert, was am Ende passieren wird oder auch nicht. Der schlichte Grund ist, dass durch eine einfache Verweigerungshaltung von öffentlichen Stellen diese Diskussion nicht in den Griff zu bekommen sein wird. Erst eine inhaltliche Befassung erlaubt eine sachgerechte Ablehnung bzw. das zielgerichtete aufstellen von Anforderungen.

Es bleibt damit im Kern bei meinen Aussagen aus dem letzten Artikel, woraus ich insbesondere die Inklusion noch einmal hervorheben möchte. Eine Währung, die eine Funktion als ein gesetzliches Zahlungsmittel erfüllen möchte, darf – und wird – keine Bürger ausschließen. Damit wird die Relevanz von Bargeld zwar weiter schwinden, aber es wird uns noch lange erhalten bleiben.

Bargeld hat den unbestreitbaren Vorteil, dass Transaktionen möglich sind, ohne dass direkte Datenspuren erzeugt werden. Es ist also grundsätzlich eine gewisse Anonymität möglich. Wir sehen bei der Geldwäsche- und bei der Terrorismusbekämpfung zunehmende Bestrebungen des Staates den Bargeldverkehr einzuschränken und weiter zu überwachen, beispielsweise auch durch die Abschaffung des 500 € Scheines. (Wenngleich die Abschaffung vermutlich am wirksamsten gegen die Vermeidung von Negativzinsen ist.)

Gleichermaßen gibt es hinreichend Vorfälle, in denen Crypto-Währungen genutzt wurden, um illegale Güter zu beschaffen oder auch um Geldwäsche zu betreiben.

Wir stehen also in einer Situation an technischen Möglichkeiten, in denen der Staat zwei Rechtsgüter abwiegen muss. Auf der einen Seite ein individuelles Freiheitsrecht, was grundsätzlich jedem Bürger zusteht, und damit für die Anonymität spricht und auf der anderen Seite das Schutzrecht eines Bürgers, welches durch den Staat garantiert werden muss. Wenn der Staat sich also bei dem Schaffen einer digitalen Währung für wirklich anonyme Zahlungsmöglichkeiten verwenden sollte, dann würde er darauf verzichten, aus vorhandenen Datenspuren seiner Schutzverpflichtung nachzukommen.

Losgelöst von etwaigen Steuerthemen oder anderen Vorteilen, die öffentliche Stellen von der Abwesenheit von Anonymität haben könnten, kann der Staat nicht an der Schwächung seines Auftrages mitarbeiten. Vereinfacht gesagt ist das Bargeld heute ein blinder Fleck, der historisch bedingt entstanden ist und sich im Laufe der Jahre – durch den technologischen Fortschritt – immer weiter verkleinert hat. Für eine Umkehr fehlt dem Start der Auftrag.

Damit reden wir zwangsläufig davon, dass ein digitaler Euro immer eine Parallelwährung sein wird und ist diese von manchen geforderte Anonymität nicht geben wird. Dann reden wir aber auch über Buchgeld und über einen eigenen, gesicherten Übertragungsweg. Dies bringt mich dann wieder an den Punkt, dass ich einen gesellschaftlichen Mehrwert daraus nicht erkennen kann – spätestens dann nicht, wenn instant-payments im SEPA-Raum der Standard für jegliche Zahlungen geworden ist.

Veröffentlicht von Thies Lesch, LL.M.

Thies Lesch (Baujahr 1972) studierte, nach Bankausbildung und Weiterbildung zum Handelsfachwirt, Betriebswirtschaft an der Fernuniversität in Hagen und schloss mit den Vertiefungen Bankbetriebslehre und Wirtschaftsinformatik als Diplom-Kaufmann ab. Mit einigen Jahren Abstand folgte in 2016 der Master of Laws in Wirtschaftsrecht an der Hamburger Fernhochschule HFH mit den Vertiefungsschwerpunkten Arbeitsrecht, Mediation und – als Abschlussthema – Kreditrecht. Die Masterarbeit „Negative Zinsen und das Kreditgeschäft: Rechtliche Herausforderungen für Banken in Deutschland“ wurde vom SpringerGabler-Verlag in das BestMasters-Programm aufgenommen und erschien im Januar 2017 als Fachbuch. Die über 25 Jahre Berufserfahrung erstrecken sich in verschiedenen Rollen und (Führungs-)Funktionen weitgehend auf das Firmenkunden(kredit)geschäft und nationale wie internationale Spezial-/Projektfinanzierungen. Thies Lesch ist ein ausgewiesener Experte in Vertriebsmanagement und Vertriebssteuerung mit ausgeprägter strategischer Kompetenz und hohen Change-Management-Skills. Sein Interesse gilt der Systematisierung im Vertrieb, der potenzialorientierten Marktbearbeitung und der Zukunftsfähigkeit des Produktangebotes von Banken und Sparkassen.

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