Über die Erwartungshaltung von Führungskräften

Sie haben doch bestimmt schon mal von einer Führungskraft folgenden Ausspruch gehört: „Ich habe mal meine Erwartungshaltung deutlich gemacht“.

Nun, eine Erwartungshaltung ist eine Haltung (Verhalten oder Einstellung), die in Erwartung eines Ereignisses oder eines Verhaltens eingenommen wird. Sie ist wichtiger Bestandteil von Erziehung (bzw. auch von Konditionierung) und nonverbaler Kommunikation.

Jetzt ist es ja ein Sport als Führungskraft bisweilen damit zu kokettieren, das man ungeduldig ist – wenn man mal nach den eigenen Schwächen gefragt wird. Tatsächlich ist es aber so, dass gerade Menschen mit Gestaltungswillen zumeist eine hohe bis überhöhte Erwartungshaltung haben. Und die Erwartungshaltung impliziert auch, dass sie nicht sonderlich aktiv kommuniziert wird, sondern als bekannt vorausgesetzt wird bzw. nonverbal verstanden wird.

Führungsratgeber empfehlen daher, die eigene Erwartungshaltung zu kommunizieren, um so von den eigenen Mitarbeitern besser verstanden zu werden. Und dann passiert bei Menschen, die diese Bücher lesen ohne sie umfassend zu verstehen, genau das. Sie kommunizieren ihre Erwartungshaltung. 1:1. Ungefiltert und ohne Übersetzung. Die „Schlaueren“ nehmen vielleicht noch am Rande wahr, dass die Mitarbeiter eher verschreckt bis irritiert reagieren, teilweise auch überfordert oder frustriert. Die Mehrheit wird sich schlicht freuen, dass sie einer Empfehlung des Buches gefolgt ist und daher alles richtig gemacht hat.

Eine Erwartungshaltung ist aber mein Bild in meinem Kopf. Es ist nicht das Bild meiner Mitarbeiter. Es ist vielleicht nicht einmal das Ziel meiner Mitarbeiter.

Was die Führungsratgeber meinen oder mindestens meinen sollten: Ich muss als Führungskraft die Ziele meines Teams kommunizieren und meine eigenen. Ich muss jedem Mitarbeiter eigene Ziele geben und diese Ziele in das Gesamtteam einbetten – und sie auch in Beziehung zu meinen eigenen Zielen stellen. Und: Ich muss primär Bilder transportieren, nicht Druck.

Dann habe ich ein Fundament auf dem ich mit Bitten arbeiten und Wünsche äußern kann. Das Faszinierende ist: die Mitarbeiter bringen nicht nur die Leistung, um die sie gebeten werden, sondern mehr. Der Druck wird zum Sog. (Erwartungshaltung hingegen blickt von oben herab und bildet damit gleichzeitig den Deckel der Möglichkeiten.)

OK, das impliziert vielleicht auch ein anderes Menschenbild und damit ein anderes Führungsbild, aber ganz ehrlich: die Berufsbilder, wo Roboter in der Führung gesucht werden, sterben aus.

Veröffentlicht von Thies Lesch, LL.M.

Thies Lesch (Baujahr 1972) studierte, nach Bankausbildung und Weiterbildung zum Handelsfachwirt, Betriebswirtschaft an der Fernuniversität in Hagen und schloss mit den Vertiefungen Bankbetriebslehre und Wirtschaftsinformatik als Diplom-Kaufmann ab. Mit einigen Jahren Abstand folgte in 2016 der Master of Laws in Wirtschaftsrecht an der Hamburger Fernhochschule HFH mit den Vertiefungsschwerpunkten Arbeitsrecht, Mediation und – als Abschlussthema – Kreditrecht. Die Masterarbeit „Negative Zinsen und das Kreditgeschäft: Rechtliche Herausforderungen für Banken in Deutschland“ wurde vom SpringerGabler-Verlag in das BestMasters-Programm aufgenommen und erschien im Januar 2017 als Fachbuch. Die über 25 Jahre Berufserfahrung erstrecken sich in verschiedenen Rollen und (Führungs-)Funktionen weitgehend auf das Firmenkunden(kredit)geschäft und nationale wie internationale Spezial-/Projektfinanzierungen. Thies Lesch ist ein ausgewiesener Experte in Vertriebsmanagement und Vertriebssteuerung mit ausgeprägter strategischer Kompetenz und hohen Change-Management-Skills. Sein Interesse gilt der Systematisierung im Vertrieb, der potenzialorientierten Marktbearbeitung und der Zukunftsfähigkeit des Produktangebotes von Banken und Sparkassen.

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