Stand: 22. September 2026
Zielgruppe: Firmenkundenbetreuer, Corporate-Banker und Vertriebsverantwortliche mit Fokus auf den deutschen Mittelstand
Auswertungszeitraum: Veröffentlichungen vom 5. August bis 21. September 2026
Aktualitätshinweis: Die Gemeinschaftsdiagnose Herbst 2026 von DIW Berlin, ifo Institut, IfW Kiel, IWH und RWI erscheint erst am 24. September 2026 und konnte daher noch nicht berücksichtigt werden. Das Briefing basiert auf den bereits verfügbaren Einzelprognosen und aktuellen Bank-Research-Publikationen. [gemeinscha…iagnose.de], [ifo.de]
1. Executive Summary
Kernaussage 1: Die deutsche Wirtschaft wächst wieder, aber der Aufschwung ist schmal und nicht selbsttragend
Die Herbstprognosen wurden deutlich nach oben revidiert. Für 2026 erwarten ifo Institut und IWH jeweils ein reales Wachstum von 1,4 Prozent, das IfW Kiel 1,3 Prozent und das DIW Berlin 1,2 Prozent. Getragen wird die Erholung vor allem von überraschend starken Exporten, einer robusten Weltkonjunktur und expansiver Finanzpolitik. Private Investitionen, Konsum und Beschäftigung entwickeln sich hingegen deutlich schwächer. [ifo.de], [iwh-halle.de], [diw.de], [bing.com]
Bedeutung für den Mittelstand
- Kein flächendeckender Nachfrageboom, sondern selektive Wachstumsfelder
- Gute Perspektiven für exportorientierte Industrie, unternehmensnahe Dienstleistungen und Anbieter mit Bezug zu Infrastruktur, Digitalisierung und öffentlicher Nachfrage
- Weiterhin hohe Anforderungen an Liquidität, Flexibilität und Investitionsselektion
Vertriebliche Chance
Investitionspipeline aktivieren und Finanzierung frühzeitig strukturieren: Anlagen- und Maschinenfinanzierung, Leasing, Mietkauf, Fördermittelkombinationen und flexible Betriebsmittellinien.
Kernaussage 2: Staatliche Infrastruktur-, Klima- und Verteidigungsausgaben werden zum zentralen Investitionsmotor
Das ifo Institut beziffert den finanzpolitischen Impuls für 2026 auf knapp 40 Milliarden Euro, gefolgt von voraussichtlich 27 Milliarden Euro 2027 und 18 Milliarden Euro 2028. IWH, DIW Berlin und Deutsche Bank Research bestätigen die zentrale Rolle staatlicher Investitionen. Deutsche Bank Research verweist zugleich darauf, dass der tatsächliche Infrastrukturbedarf über das Sondervermögen hinausgeht und zusätzliches privates Kapital benötigt werden dürfte. [ifo.de], [iwh-halle.de], [Deutsche B…ute – Home], [dbresearch.com]
Bedeutung für den Mittelstand
- Zusätzliche Aufträge für Bau, Tiefbau, Verkehr, Energie, Digitalisierung, Sicherheit und industrielle Zulieferer
- Vorfinanzierungsbedarf durch längere Projektlaufzeiten und öffentliche Zahlungszyklen
- Wachsender Bedarf an Produktionskapazitäten, Maschinen, Fuhrparks und IT-Infrastruktur
Vertriebliche Chance
Projektbezogene Finanzierungspakete aus Leasing, Investitionskredit, Avalen, Factoring, Fördermitteln und Working Capital. Für die Deutsche Leasing ergibt sich insbesondere ein Ansatz bei Maschinen, Nutzfahrzeugen, Energieanlagen und technischer Infrastruktur.
Kernaussage 3: Energie, Inflation und internationale Risiken erfordern aktives Liquiditäts- und Risikomanagement
Die Aufwärtsrevisionen bedeuten keine Entwarnung. Hohe Energiepreise, Niedrigwasser, Lieferkettenrisiken und geopolitische Spannungen bremsen die Erholung. Das IWH erwartet für 2026 eine Verbraucherpreisinflation von 2,6 Prozent. Die Commerzbank rechnet mit länger erhöhtem Inflationsdruck und hält einen weiteren Zinsschritt der EZB für wahrscheinlich. Gleichzeitig blieb ihr konjunktureller Frühindikator im September positiv, obwohl er von 33 auf 25 Punkte zurückging. [iwh-halle.de], [commerzbank.de], [commerzbank.de]
Bedeutung für den Mittelstand
- Kosten- und Margenvolatilität bleibt hoch
- Refinanzierungs-, Währungs- und Working-Capital-Risiken gewinnen an Bedeutung
- Exportchancen stehen Absicherungsbedarf und geopolitischer Unsicherheit gegenüber
Vertriebliche Chance
Finanzierung und Risikoabsicherung zusammenführen: Liquiditätsreserve, Außenhandelsfinanzierung, Avale, Devisentermingeschäfte, Zinsabsicherung, Cash-Management und Forderungsfinanzierung.
2. Hauptteil
Kernaussage 1: Erholung ja, aber kein selbsttragender Aufschwung
Wirtschaftliche Einordnung
Die Prognosen zeigen ein ungewöhnlich einheitliches Bild: Der konjunkturelle Tiefpunkt scheint überwunden, die Erholung bleibt aber abhängig von Exporten und staatlichen Impulsen.
| Quelle | BIP-Prognose 2026 | BIP-Prognose 2027 | Wesentliche Begründung |
| ifo Institut | 1,4 % | 1,2 % | Exportimpulse, verbesserte Auftragslage und expansive Finanzpolitik [ifo.de] |
| IWH | 1,4 % | 0,8 % | Auslandsnachfrage und zunehmende staatliche Investitionen [iwh-halle.de], [iwh-halle.de] |
| IfW Kiel | 1,3 % | 1,0 % | Konjunkturtief überwunden, strukturelle Defizite bleiben [kielinstitut.de], [bing.com] |
| DIW Berlin | 1,2 % | 1,0 % | Unerwartet starke Exporte und expansive Finanzpolitik [diw.de] |
| Commerzbank Research | 1,1 % | 1,0 % | Positiver Frühindikator, aber nachlassender geldpolitischer Rückenwind [commerzbank.de], [commerzbank.de] |
Das DIW Berlin beschreibt den Aufschwung ausdrücklich als nicht aus eigener Kraft getragen. Im zweiten Quartal wuchs das BIP um 0,3 Prozent, wobei die Exporte um 2,0 Prozent zunahmen. Dagegen stieg der private Konsum nur um 0,1 Prozent und die Ausrüstungsinvestitionen sanken um 1,4 Prozent. Für das dritte Quartal erwartet das Institut annähernde Stagnation. [diw.de]
Das ifo Institut beurteilt die Fortsetzung der Erholung etwas zuversichtlicher. Es verweist auf die seit Jahresbeginn verbesserte industrielle Auftragslage und gestiegene Exporterwartungen. Gleichzeitig soll die Erholung am Arbeitsmarkt erst ab 2027 sichtbar werden. [ifo.de]
Übereinstimmungen
Die Institute stimmen in vier Punkten weitgehend überein:
- Die konjunkturelle Talsohle ist durchschritten.
- Exporte und Staatsausgaben sind die wichtigsten Wachstumstreiber.
- Die Binnennachfrage bleibt verhalten.
- Strukturelle Probleme bei Wettbewerbsfähigkeit, Energie, Bürokratie und privaten Investitionen bestehen fort. [ifo.de], [iwh-halle.de], [diw.de], [tagesschau.de]
Unterschiede und Gegenpositionen
- Das ifo Institut ist für 2026 und 2027 mit 1,4 beziehungsweise 1,2 Prozent vergleichsweise optimistisch. [ifo.de]
- Das DIW Berlin bewertet die kurzfristige Dynamik vorsichtiger und erwartet im dritten Quartal annähernde Stagnation. [diw.de]
- Das IWH ist für 2026 optimistisch, sieht das Wachstum 2027 aber nur noch bei 0,8 Prozent und 2028 bei 0,2 Prozent. Damit fällt sein mittelfristiger Ausblick deutlich zurückhaltender aus. [iwh-halle.de]
- Commerzbank Research liegt mit 1,1 Prozent für 2026 unter den Institutsprognosen und weist zusätzlich auf länger erhöhten Inflations- und Zinsdruck hin. [commerzbank.de]
Relevanz für den deutschen Mittelstand
Industrie und Maschinenbau
Export- und Auftragsimpulse verbessern die Kapazitätsauslastung. Aufgrund der weiterhin unsicheren Nachhaltigkeit des Aufschwungs dürften Unternehmen jedoch eher gezielt als flächendeckend investieren.
Potenzielle Investitionsfelder:
- Automatisierung und Robotik
- Ersatzinvestitionen und Modernisierung
- Energieeffiziente Maschinen
- Digitalisierung von Produktion und Logistik
- Erweiterung exportbezogener Kapazitäten
Handel und Dienstleistungen
Die verhaltene Konsumnachfrage und die Belastung durch Energiepreise sprechen gegen einen breiten Konsumaufschwung. Bessere Perspektiven bestehen bei unternehmensnahen Dienstleistungen, IT, Digitalisierung und projektbezogenen Leistungen.
Transport und Logistik
Exportwachstum bietet grundsätzlich Chancen. Gleichzeitig unterstreicht das Niedrigwasser die Notwendigkeit resilienter Transportketten, alternativer Routen und flexibel einsetzbarer Logistikassets. ifo Institut und DIW Berlin nennen Produktions- und Transportbehinderungen durch niedrige Flusspegel ausdrücklich als Belastung. [ifo.de], [diw.de]
Vertriebliche Ansatzpunkte
- Investitionsfinanzierung und Leasing: Finanzierung von Maschinen, Automatisierung, Nutzfahrzeugen und IT
- Betriebsmittel: Saisonale oder auftragsbezogene Linien für den Produktionshochlauf
- Factoring: Liquiditätsfreisetzung bei steigenden Umsätzen und längeren Zahlungszielen
- Absatzfinanzierung: Unterstützung von Maschinen- und Anlagenbauern beim Vertrieb
- Fördermittel: Kombination von Investitionsfinanzierung mit Transformations- und Effizienzprogrammen
- Internationales Geschäft: Außenhandelsfinanzierung, Dokumentengeschäft und Währungsabsicherung
Konkrete Gesprächseinstiege
- „Die aktuellen Herbstprognosen wurden deutlich angehoben, der Aufschwung konzentriert sich aber auf Exporte und staatlich gestützte Nachfrage. Wo sehen Sie in Ihrer Auftragspipeline bereits konkrete Wachstumssignale?“
- „Welche Investitionen haben Sie bisher aus Unsicherheit zurückgestellt, und welche davon könnten Sie bei einer besseren Auftragslage kurzfristig aktivieren?“
- „Wenn Ihre Auslandsaufträge weiter zunehmen, welche zusätzlichen Kapazitäten, Maschinen oder Betriebsmittel benötigen Sie dafür?“
Was bedeutet das morgen im Kundengespräch?
- Auftragseingang und Investitionspipeline gemeinsam analysieren
- Zurückgestellte Vorhaben identifizieren
- Liquiditätsschonende Objektfinanzierung anbieten
- Exportwachstum mit Absicherungslösungen verbinden
- Nicht vom allgemeinen BIP-Wachstum auf die individuelle Kundenlage schließen
Kernaussage 2: Staatliche Investitionen schaffen einen neuen Projekt- und Finanzierungsmarkt
Wirtschaftliche Einordnung
Die expansive Finanzpolitik ist neben den Exporten der zentrale Stabilisierungsfaktor. Das ifo Institut erwartet zusätzliche Ausgaben für Infrastruktur, Klimaneutralität und Verteidigung. Der finanzpolitische Impuls soll 2026 knapp 40 Milliarden Euro betragen. [ifo.de]
Das IWH erwartet ebenfalls, dass zunehmende staatliche Investitionen die Konjunktur in den kommenden Quartalen stützen. Deutsche Bank Research hebt den großen Infrastrukturbedarf Deutschlands hervor und untersucht ausdrücklich, wie staatliche Mittel durch privates Kapital ergänzt werden können. [iwh-halle.de], [Deutsche B…ute – Home], [dbresearch.com]
Übereinstimmungen
- Öffentliche Investitionen bilden einen wesentlichen Teil des aktuellen Wachstums.
- Infrastruktur, Klimaneutralität und Verteidigung sind zentrale Ausgabenfelder.
- Die Impulse wirken über öffentliche Auftragnehmer in industrielle und mittelständische Lieferketten hinein.
- Der Investitionsbedarf übersteigt die unmittelbar verfügbaren staatlichen Mittel. [ifo.de], [iwh-halle.de], [Deutsche B…ute – Home]
Unterschiede
Die Institute unterscheiden sich weniger in der Richtung als in der Bewertung der Nachhaltigkeit:
- Das ifo Institut rechnet damit, dass die finanzpolitischen Impulse über den gesamten Prognosezeitraum wirken, allerdings von knapp 40 Milliarden Euro im Jahr 2026 auf 18 Milliarden Euro 2028 zurückgehen. [ifo.de]
- Das DIW Berlin warnt, dass die deutsche Wirtschaft trotz Fiskalimpulsen auf wackligen Beinen steht. [diw.de]
- Das IfW Kiel spricht vom überwundenen Konjunkturtief, betont im Titel seiner Herbstprognose aber zugleich fortbestehende Defizite. [kielinstitut.de]
- Deutsche Bank Research legt den Schwerpunkt stärker auf die Mobilisierung privaten Kapitals und damit auf die Finanzierungsarchitektur der Infrastrukturinvestitionen. [Deutsche B…ute – Home], [dbresearch.com]
Relevanz für den Mittelstand
Besonders relevante Kundengruppen
- Bau- und Tiefbauunternehmen
- Bauzulieferer und Baustoffhersteller
- Maschinen- und Anlagenbauer
- Energie- und Elektrotechnikunternehmen
- Anbieter von Verkehrs- und Ladeinfrastruktur
- IT-, Daten- und Cybersicherheitsanbieter
- Sicherheits- und verteidigungsnahe Zulieferer
- Kommunalnahe Unternehmen
- Transport-, Nutzfahrzeug- und Flottenbetreiber
Typische Finanzierungsbedarfe
Öffentliche und infrastrukturelle Aufträge führen häufig zu einem zeitlichen Auseinanderfallen von Materialeinkauf, Leistungserbringung und Zahlungseingang. Daraus können Bedarfe bei Vorfinanzierung, Avalen, Betriebsmitteln und Forderungsmanagement entstehen. Diese Ableitung ist ein vertrieblicher Ansatz, keine Prognose der Institute.
Vertriebliche Ansatzpunkte
Investitionsfinanzierung
- Maschinen und Produktionsanlagen
- Nutzfahrzeuge und Baumaschinen
- Energie- und Versorgungstechnik
- Rechenzentren, Server und IT-Infrastruktur
- Flotten- und Ladeinfrastruktur
Working Capital und Sicherheiten
- Betriebsmittellinien für projektbezogene Hochläufe
- Anzahlungs-, Vertragserfüllungs- und Gewährleistungsavale
- Factoring bei längeren Zahlungszielen
- Auftragsbezogene Finanzierung
- Cash-Management für Projektgesellschaften
Cross-Selling
- Leasing plus Fördermittel
- Investitionskredit plus Zinsabsicherung
- Betriebsmittellinie plus Avalrahmen
- Factoring plus Debitorenmanagement
- Maschinenfinanzierung plus Absatzfinanzierung für Hersteller
Konkrete Gesprächseinstiege
- „Welche zusätzlichen Aufträge könnten sich für Sie aus den Investitionen in Infrastruktur, Energie oder Sicherheit ergeben, und welche Kapazitäten müssten Sie dafür vorhalten?“
- „Wie finanzieren Sie bei größeren Projekten heute die Zeit zwischen Materialeinkauf, Leistungserbringung und Zahlungseingang?“
- „Benötigen Sie für die Teilnahme an größeren Ausschreibungen zusätzliche Avale, Maschinen oder Betriebsmittelreserven?“
Was bedeutet das morgen im Kundengespräch?
- Öffentliche und infrastrukturelle Auftragspipeline abfragen
- Vorfinanzierungs- und Avalbedarf gemeinsam berechnen
- Kapazitätsinvestitionen frühzeitig strukturieren
- Förderfähigkeit einzelner Assets prüfen
- Projektfinanzierung nicht isoliert, sondern als Finanzierungspaket anbieten
Kernaussage 3: Wachstum und Risiko treten gleichzeitig auf
Wirtschaftliche Einordnung
Die Konjunkturerholung geht mit anhaltendem Energie- und Inflationsdruck einher. Das IWH erwartet 2026 eine Verbraucherpreisinflation von 2,6 Prozent, 2027 von 2,5 Prozent und 2028 von 2,0 Prozent. Gleichzeitig prognostiziert es einen Rückgang der Erwerbstätigkeit von 45,878 Millionen Personen 2025 auf 45,681 Millionen 2026. [iwh-halle.de]
Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie meldete für August 2026 eine Inflationsrate von 2,9 Prozent. Haupttreiber seien die Energiepreise gewesen; die Kerninflation blieb bei 2,4 Prozent. Gleichzeitig sank der preisbereinigte Einzelhandelsumsatz im Juli gegenüber dem Vormonat um 3,4 Prozent. [bundeswirt…sterium.de]
Die Commerzbank geht davon aus, dass die Inflation länger oberhalb von zwei Prozent bleibt. In ihrer Septemberprognose erwartet sie einen weiteren Zinsschritt der EZB. Zudem überwiegen nach ihrer Einschätzung bei langfristigen deutschen Staatsanleiherenditen die Aufwärtsrisiken. [commerzbank.de]
Übereinstimmungen
- Energiepreise bleiben ein wesentlicher Inflations- und Konjunkturfaktor.
- Geopolitische Konflikte und Transportstörungen sorgen für Planungsunsicherheit.
- Die Binnenwirtschaft und der private Konsum sind schwächer als Exporte und staatliche Nachfrage.
- Unternehmen müssen Wachstum finanzieren, ohne von dauerhaft sinkenden Finanzierungskosten ausgehen zu können. [ifo.de], [diw.de], [iwh-halle.de], [commerzbank.de]
Abweichende Einschätzungen
- Das IWH bewertet die Weltkonjunktur aufgrund des KI-Investitionsbooms grundsätzlich positiv. [iwh-halle.de]
- Das DIW Berlin sieht den KI-Investitionsboom ebenfalls als Treiber, nennt einen abrupten Abbruch dieses Booms aber ausdrücklich als Abwärtsrisiko. [bing.com], [diw.de]
- Commerzbank Research beurteilt die Zins- und Inflationsentwicklung restriktiver als die reine Wachstumsbetrachtung der Wirtschaftsforschungsinstitute und erwartet eine länger anhaltende Inflation oberhalb von zwei Prozent. [commerzbank.de]
- Deutsche Bank Research sieht die deutsche Wirtschaft zwar als widerstandsfähig gegenüber dem Energiepreisschock, betont aber fortbestehende Sorgen der Unternehmen um die internationale Wettbewerbsfähigkeit. [dbresearch.com]
Relevanz für den deutschen Mittelstand
Energieintensive Unternehmen
- Margendruck bei unvollständiger Kostenweitergabe
- Höherer Betriebsmittelbedarf durch teurere Energie und Vorprodukte
- Wirtschaftlicher Anreiz für Energieeffizienz und Eigenerzeugung
Exportorientierte Unternehmen
- Chancen durch robuste internationale Nachfrage
- Zusätzliche Risiken durch Wechselkurse, Handelskonflikte und Lieferketten
- Höherer Bedarf an Garantien, Dokumentengeschäft und Absicherung
Transport und Logistik
- Risiken durch Energiepreise und Niedrigwasser
- Bedarf an alternativen Transportwegen und flexibleren Flotten
- Potenzieller Investitionsbedarf bei Lagerung, Umschlag und Digitalisierung
Handel und konsumnahe Dienstleistungen
- Belastung durch verhaltenen Konsum und hohe Energiepreise
- Erhöhte Bedeutung von Liquiditätsplanung und Kostenkontrolle
- Vorsicht bei kreditfinanzierten Kapazitätserweiterungen
Vertriebliche Ansatzpunkte
- Betriebsmittellinien: Puffer gegen kostenbedingte Liquiditätsspitzen
- Factoring: Verkürzung der Kapitalbindung in Forderungen
- Cash-Management: Transparenz über Liquiditätspositionen und Zahlungsströme
- Zinsmanagement: Sicherung oder Staffelung von Zinskonditionen
- Währungsmanagement: Absicherung kalkulationsrelevanter Fremdwährungspositionen
- Außenhandelsfinanzierung: Akkreditive, Garantien und Exportfinanzierung
- Energieinvestitionen: Finanzierung von Effizienztechnik, Photovoltaik und Speichern
- Leasing: Schonung von Kreditlinien und Liquidität bei notwendigen Ersatzinvestitionen
Konkrete Gesprächseinstiege
- „Wie stark wirken sich die höheren Energie- und Finanzierungskosten aktuell auf Ihre Marge und Ihren Betriebsmittelbedarf aus?“
- „Welche Ihrer Exportaufträge enthalten derzeit offene Währungs-, Zahlungs- oder Lieferkettenrisiken?“
- „Wäre es für Ihre Planung sinnvoll, Finanzierung, Zinsabsicherung und Liquiditätsreserve gemeinsam für die kommenden zwölf bis 24 Monate zu strukturieren?“
Was bedeutet das morgen im Kundengespräch?
- Nicht nur Umsatz, sondern Marge und Cash Conversion ansprechen
- Energie- und Rohstoffsensitivität erfassen
- Fremdwährungspositionen und Zahlungsziele prüfen
- Finanzierung und Absicherung gemeinsam anbieten
- Liquiditätsreserven vor einer möglichen Kostenbelastung strukturieren
3. Fazit und vertriebliche Implikationen
Die drei wichtigsten Vertriebsimpulse
1. Investitionsbereitschaft jetzt aktivieren
Der verbesserte Konjunkturausblick kann zum Anlass genommen werden, zurückgestellte Investitionsvorhaben neu zu bewerten. Im Mittelpunkt stehen Maschinen, Automatisierung, Digitalisierung, Energieeffizienz und Flotten.
Produktfelder: Leasing, Mietkauf, Investitionskredit, Fördermittel, Absatzfinanzierung.
2. Öffentliche Impulse in konkrete Kundenprojekte übersetzen
Die staatlichen Investitionen wirken nicht automatisch bei jedem Mittelständler. Firmenkundenbetreuer sollten gezielt Kunden mit Zugang zu Infrastruktur-, Energie-, Digitalisierungs- und Sicherheitsprojekten identifizieren.
Produktfelder: Projektbezogene Betriebsmittel, Avale, Leasing, Factoring, Cash-Management.
3. Wachstum mit Resilienz verbinden
Die konjunkturelle Verbesserung fällt in eine Phase hoher Energie-, Zins- und geopolitischer Risiken. Das schafft einen kombinierten Beratungsbedarf aus Finanzierung, Liquiditätssicherung und Absicherung.
Produktfelder: Working Capital, Außenhandelsfinanzierung, Zins- und Währungsmanagement, Factoring und Energieinvestitionen.
Prioritäre Kundensegmente
- Exportorientierte Industrieunternehmen
- Maschinen- und Anlagenbauer
- Bau-, Infrastruktur- und Energieunternehmen
- Transport- und Logistikunternehmen
- IT-, Digitalisierungs- und Cybersicherheitsanbieter
- Energieintensive Unternehmen
- Zulieferer für öffentliche Auftragnehmer und verteidigungsnahe Lieferketten
Vertriebliche Quintessenz
Die aktuelle Lage ist kein klassischer, breiter Aufschwung. Sie ist eine export- und fiskalgestützte Erholung mit erheblichen strukturellen und geopolitischen Risiken. Genau daraus entsteht der Vertriebsansatz:
Nicht pauschal mehr Kredit anbieten, sondern Investitionsfähigkeit, Liquidität und Risikoabsicherung kundenspezifisch miteinander verbinden.
Quellenverzeichnis
- ifo Institut, 3. September 2026: ifo Konjunkturprognose Herbst 2026: Erholungskräfte gewinnen Oberhand
- DIW Berlin, September 2026: Konjunkturprognose Herbst 2026
- IfW Kiel, September 2026: Kieler Konjunkturberichte 09/2026
- IWH, 3. September 2026: Deutsche Konjunktur belebt sich
- Commerzbank Research, 4. September 2026: Deutschland: Early Bird weiter positiv
- Commerzbank Research, September 2026: Gesamtwirtschaftliche Prognosen
- Deutsche Bank Research, 3. September 2026: Der Hausblick
- Deutsche Bank Research, August/September 2026: Infrastrukturinvestitionen und privates Kapital [Deutsche B…ute – Home], [dbresearch.com]
- Deutsche Bundesbank, 21. September 2026: Monatsbericht September 2026
- Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, 14. September 2026: Die wirtschaftliche Lage in Deutschland im September 2026
