Firmenkundenmarkt für Banken und Sparkassen in Deutschland

Das Firmenkundengeschäft bildet den historischen Nukleus des Bankgeschäftes. Schließlich waren es wohlhabende Kaufleute, die verschiedene Arten von Unternehmungen vorfinanziert haben. Zunächst die eigenen und im weiteren Verlauf auch die von Dritten. Mit Einführung zunächst der Aktiengesellschaft, später auch der Gesellschaft mit beschränkter Haftung, wurde das Konstrukt der juristischen Person ins Leben gerufen. Gab es zuvor nur die unbegrenzte persönliche Haftung und den Schuldturm als Konsequenz, war es nun auf einmal möglich für große Vorhaben bei vielen Menschen das notwendige Kapital[1] einzusammeln und gleichzeitig das unternehmerische Risiko in der juristischen Person zu belassen. Die so begünstigte „Gründerzeit“ bedeutete gleichzeitig einen gewaltigen Schub für die Banken in Deutschland. Um dem wachsenden Kapital- und Finanzierungsbedarf zu begegnen, wurden Depositenkassen und Zweigstellen gegründet, die Einlagen bei den Bürgern und Arbeitern entgegennehmen sollten[2]. Das Bankgeschäft, zuvor nur dem Adel und dem wohlhabenden Bürgertum vorbehalten, erreichte so die Mitte der Gesellschaft.

Der hohe Stellenwert des Firmenkundengeschäftes hat sich für die Banken und Sparkassen bis heute erhalten. So betrug die Kreditvergabe der Banken in Deutschland an inländische Unternehmen und Privatpersonen zum Ende des Septembers 2020 3,0 Billionen EUR, wovon ein Anteil von über 50 % mit 1,6 Billionen EUR auf die Unternehmen entfällt. (Die zugehörige Statistik findet sich in den Monatsberichten der Deutschen Bundesbank jeweils im Abschnitt IV. (Banken) unter Ziffer 6.).[3] Dies sagt selbstverständlich weder etwas über die Attraktivität des Marktes für die Banken aus, noch etwas über den über Finanzierung hinausgehenden Bedarf der Firmenkunden, verdeutlicht jedoch die hohe Bedeutung für die Existenz und das Geschäftsmodell der einzelnen Banken.


[1] vgl. Lütz, 2002, S. 80

[2] vgl. Krause, 2010, S. 23

[3] Siehe: https://www.bundesbank.de/de/publikationen/berichte/monatsberichte/aktuelle-monatsberichte-764436 [Stand: 29.12.2020]

Veröffentlicht von Thies Lesch, LL.M.

Thies Lesch (Baujahr 1972) studierte, nach Bankausbildung und Weiterbildung zum Handelsfachwirt, Betriebswirtschaft an der Fernuniversität in Hagen und schloss mit den Vertiefungen Bankbetriebslehre und Wirtschaftsinformatik als Diplom-Kaufmann ab. Mit einigen Jahren Abstand folgte in 2016 der Master of Laws in Wirtschaftsrecht an der Hamburger Fernhochschule HFH mit den Vertiefungsschwerpunkten Arbeitsrecht, Mediation und – als Abschlussthema – Kreditrecht. Die Masterarbeit „Negative Zinsen und das Kreditgeschäft: Rechtliche Herausforderungen für Banken in Deutschland“ wurde vom SpringerGabler-Verlag in das BestMasters-Programm aufgenommen und erschien im Januar 2017 als Fachbuch. Die über 25 Jahre Berufserfahrung erstrecken sich in verschiedenen Rollen und (Führungs-)Funktionen weitgehend auf das Firmenkunden(kredit)geschäft und nationale wie internationale Spezial-/Projektfinanzierungen. Thies Lesch ist ein ausgewiesener Experte in Vertriebsmanagement und Vertriebssteuerung mit ausgeprägter strategischer Kompetenz und hohen Change-Management-Skills. Sein Interesse gilt der Systematisierung im Vertrieb, der potenzialorientierten Marktbearbeitung und der Zukunftsfähigkeit des Produktangebotes von Banken und Sparkassen.

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