Führen mit System: Aufmerksamkeit auf das Führungssystem

Wir lesen in den letzten Jahren immer wieder über eine sich beschleunigende Welt, über schnellere Innovationszyklen und über gescheiterte Unternehmen mit einst klangvollen Marken.

Diese erhöhte Umweltgeschwindigkeit muss vom Unternehmen aufgenommen werden und ebenfalls Teil des Unternehmens werden, denn nur so kann erfolgreich die Welle gesurft werden. Für ein Unternehmen insgesamt mag dies eine gewaltige Herausforderung sein, da es fundamental die Art und Weise wie das Unternehmen arbeitet oder wie es möglicherweise sogar über Jahre entstanden und gewachsen ist, komplett verändern kann. Diese Veränderung lässt sich nur beschreiben und erreichen ausgehend von der einzelnen Führungskraft.

Es lässt sich also feststellen, dass Organisationen in den letzten Jahren immer komplexer geworden sind. Dies liegt nicht nur an der Digitalisierung und der damit einhergehenden Beschleunigung des Alltags, sondern auch an der Internationalisierung und damit der weltweiten Spezialisierung und Arbeitsteilung. Somit wird auch Führung immer komplexer.

Als Führungskraft müssen sie ein Umfeld schaffen, das die höhere Geschwindigkeit begrüßt und positiv annimmt; denn: Schnelligkeit ist nicht das Ergebnis von Leistungsdruck, sie ist das Ergebnis von effizienter Teamarbeit. Sie benötigen ein vertrauensvolles Klima im Team, um Raum zu haben für Experimente und für Fehler. Mit einer solchen Kultur im Team sollte es vergleichsweise leicht möglich sein, die Mitarbeiter mitzunehmen und für Veränderungen im Sinne einer Chance zu begeistern.

Die Aufgaben und vor allem das Rollenbild der Führungskraft müssen sich in diesem Kontext weiter entwickeln. Die direkte Führung des letzten Jahrhunderts muss sukzessive und zunehmend einer indirekten Führung weichen.

Während die direkte Führung sehr stark darauf gesetzt hat, jedem einzelnen konkret zu sagen was er zu tun hat und was seine Aufgabe ist, geht es bei der indirekten Führung im Wesentlichen darum die Mitarbeiter bei der Gestaltung ihrer Aufgaben unterweite Entwicklung ihre Aufgaben zu unterstützen und die notwendigen Rahmenbedingungen zu schaffen, dass der Mitarbeiter erfolgreich arbeiten kann.

Zu den Aufgaben der indirekten Führung gehört es jeden Mitarbeiter einzeln, individuell und zielgerichtet als Mensch anzusprechen, um im Gegenzug die individuelle Höchstleistung zu erhalten. (Nur um es klarzustellen: hiermit ist nicht gemeint, dass ein Mitarbeiter automatisch und immer alles das bekommt, was er gerne haben möchte – sondern, dass er die Ansprache bekommt, die er benötigt, um ihn oder sie zu motivieren in seinem (oder ihrem) Job alles zu geben und an die Grenzen zu gehen. Im Kern geht es um Sinnstiftung und Kontextualisierung.) Des Weiteren gewinnt die laufende Weiterentwicklung der Mitarbeiter als Aufgabe an Bedeutung. Sie müssen als Führungskraft in der Lage sein, auch eine Rolle als Coach zu besetzen, wenn es dabei hilft den Mitarbeiter in seiner Weiterentwicklung zu unterstützen. Letztlich gewinnt auch Team-Building an Stellenwert, denn es ist die Aufgabe der Führungskraft ein Team so zusammenzustellen und die Mitarbeiter so einzusetzen, dass das Team als Gesamtheit eine höhere Leistung abliefert als die Summe der einzelnen Teammitglieder. Ein Team muss an den Stärken seiner Mitglieder ausgerichtet werden und jedes Teammitglied muss seinen Platz im Team kennen; und das schließt selbst verständlich insbesondere die Akzeptanz der Andersartigkeit der anderen Teammitglieder durch das jeweilige Teammitglied explizit mit ein. Vor diesem Hintergrund ist es eine absolute Notwendigkeit, dass die Führungskraft sich als Kommunikator versteht. Die Führungskraft bildet so das sinnstiftende und verbindende Element im Team, denn die einzige echte Gemeinsamkeit aller Teammitglieder – neben der mit einem gewissen Abstraktionsniveau versehenen Aufgabenstellung – ist die Führungskraft. Die Führungskraft ist der Leim, der das Team zusammenhält.

Alle Führungskräfte sind ihrerseits jedoch Teil eines Führungssystems. Das Führungssystem besteht aus:

  • formellen und informellen Kommunikationsstrukturen
  • Regeln, Verhaltensstandards und Kompetenzen
  • Zielen
  • sozialen Normen

aus diesen Punkten kann man bereits erahnen, dass es ohne ein Führungssystem gar nicht geht – denn auch kein System ist immer noch ein System. Und letztlich ist dieses Führungssystem genauso wichtig, wie die Qualität der jeweiligen und einzelnen Führungskraft. Auch für ein Führungssystem wird man in Anspruch nehmen können, dass die wirklich guten Dinge im Leben einfach sind. Je einfacher ein Führungssystem gestaltet werden kann, desto leichter wird es verstanden, desto berechenbarer ist es und vermutlich wird es deshalb auch akzeptiert.

Während früher Führung in der Betriebswirtschaft gerne als der „Dispositive Faktor“ bezeichnet wurde, weist die Führung heute und zukünftig deutlich stärkere Dienstleistungszüge auf. Eigentlich ist Führung eine Form der Sozialarbeit. (Der „dispositive Faktor“ trägt noch ganz klar die Präferenz von direkter Führung in sich.)

Die Führungskraft ist in der besonderen Situation, dass sie in zwei Teams Mitglied ist. Sie ist sowohl in ihrem Team Mitglied, in dem sie die Führungsposition besetzt, wie auch in dem Team der Führungskräfte. Das Führungskräfteteam lässt sich sicherlich unterschiedlich definieren, umfasst jedoch mindestens die nächsthöhere Führungsebene und sämtliche gleichgestellten Kollegen. Die Existenz und das Agieren dieses Führungskräfteteams wird auch von den Mitarbeitern wahrgenommen, und oftmals auch kritisch wie neugierig beobachtet und begleitet.

Es ist die Kernaufgabe des Führungskräfteteams das Führungssystem zu pflegen und weiterzuentwickeln: Durch den Austausch und die Zusammenarbeit der Führungskräfte untereinander wird das System und seine Veränderungen immer wieder neu vereinbart.

Und hier ist die Schnittstelle zwischen Führungskraft und Führungssystem: denn je deutlicher, einheitlicher und klarer das Führungsteam durch die Mitarbeiter erlebt werden kann, desto stärker gewinnt das Führungssystem an Qualität und Verbindlichkeit.

Führung ist beobachten, analysieren, gestalten – und vor allem: Kommunikation!

Der nächste Beitrag wird sich mit den Elementen des Führungssystems befassen.

Veröffentlicht von Thies Lesch, LL.M.

Thies Lesch (Baujahr 1972) studierte, nach Bankausbildung und Weiterbildung zum Handelsfachwirt, Betriebswirtschaft an der Fernuniversität in Hagen und schloss mit den Vertiefungen Bankbetriebslehre und Wirtschaftsinformatik als Diplom-Kaufmann ab. Mit einigen Jahren Abstand folgte in 2016 der Master of Laws in Wirtschaftsrecht an der Hamburger Fernhochschule HFH mit den Vertiefungsschwerpunkten Arbeitsrecht, Mediation und – als Abschlussthema – Kreditrecht. Die Masterarbeit „Negative Zinsen und das Kreditgeschäft: Rechtliche Herausforderungen für Banken in Deutschland“ wurde vom SpringerGabler-Verlag in das BestMasters-Programm aufgenommen und erschien im Januar 2017 als Fachbuch. Die über 25 Jahre Berufserfahrung erstrecken sich in verschiedenen Rollen und (Führungs-)Funktionen weitgehend auf das Firmenkunden(kredit)geschäft und nationale wie internationale Spezial-/Projektfinanzierungen. Thies Lesch ist ein ausgewiesener Experte in Vertriebsmanagement und Vertriebssteuerung mit ausgeprägter strategischer Kompetenz und hohen Change-Management-Skills. Sein Interesse gilt der Systematisierung im Vertrieb, der potenzialorientierten Marktbearbeitung und der Zukunftsfähigkeit des Produktangebotes von Banken und Sparkassen.

3 Kommentare zu „Führen mit System: Aufmerksamkeit auf das Führungssystem

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